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Letzte Vorbereitungen für das diesjährige Sozialpraktikum laufen Drucken E-Mail
Geschrieben von Hartmut Fobel   

Sozialpraktikum vom 28.06. bis 09.07.2010 – Schüleräußerungen zum vergangenen Sozialpraktikum

Nachdem vor Ostern die Bestätigungsschreiben der Schüler/innen für ihre Plätze abgegeben und die Betreuungslehrer/innen zugeordnet worden waren, haben sich nun die 170 SchülerInnen bei diesen gemeldet, um an Hand einer Checkliste noch wichtige Fragen zu besprechen.

Einige z. B. müssen bei ihrer Praktikumsstelle noch eine Hepatitis B -Schutzimpfung (nur für Krankenhausplätze), ein Hausarztattest (dass keine ansteckenden Krankheiten vorliegen) oder eine Gesundheitszeugnis vorweisen (Bescheinigung über eine einstündige Belehrung beim Gesundheitsamt; dazu Schülerausweis mitbringen und ein von den Erziehungsberechtigten unterschriebenes Formular, Formular erhältlich im Internet unter Gesundheitsamt Bielefeld, im Schulbüro oder bei H. Fobel ). 

Reflexionen/ Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern des Ceciliengymnasiums der Jahrgangsstufe 11 während des Sozialpraktikums vom 15. 06. bis 26.06.2009

Praktikum in einer integrativen Kindertagesstätte

„Meine zwei Wochen in der Kita haben mir viele Eindrücke verschafft, die ich immer im Gedächtnis behalten werde. Zum einen einfach diese Offenheit und Zutraulichkeit der Kinder und zum anderen, wie hart die Arbeit selber ist.

An manchen Tagen denkt man, dass man nicht mehr kann, da die Kinder anstrengend sind. Dann rasten die Kleinen aus, machen, was sie wollen … Trotzdem dachte ich, wie viel Spaß die Arbeit mit den Kindern doch macht. Wenn man auch als Erzieherin angesehen wird, um Rat gefragt wird und einfach akzeptiert wird. Das Schönste ist, wenn ich gefragt wurde „Willst du mit mir spielen?“ und mein Nein nicht akzeptiert wurde, oder die Kinder einfach wollten, dass ich beim Puppenspiel dabei sein musste. Natürlich musste man auch typische Arbeiten der Erzieherinnen übernehmen, die keinen Spaß machen, doch das konnte man verkraften. ...

In den nächsten Tagen konnte ich beobachten, wie verschieden sich die Kinder in der mittäglichen Ruhepause verhalten. Manche entspannen sich, andere beschäftigen sich selbst und wiederum andere toben trotzdem. ...

Meine Erkenntnis ist, dass die Arbeit mir zwar viel Spaß gemacht hat und ich viel Freude daran hatte, doch es ist einfach nicht die Berufsrichtung, die ich einschlagen möchte. Mir fehlt dann doch die geistige Förderung jeden Tag, denn ich könnte nicht bis zu meiner Rente jeden Tag die gleichen Spiele spielen, manchmal sogar mehrmals.

Alles in allem war es eine ganz tolle Zeit.“

Praktikum in der Fahrdienststelle

„Die zwei Wochen (Fahrdienst) haben mir die Augen geöffnet und viele Erfahrungen für das weitere Leben gebracht.

Vor dem Praktikum war meine Laufbahn nach dem Abitur erst mal der Wehrdienst. Nach dem Praktikum ist der Wehrdienst für mich Geschichte. Das Sozialpraktikum öffnete mir die Augen für den Bereich Zivildienst.

Die Arbeit dort hat mir persönlich sehr gut gefallen, weil man dort viele Menschen kennen lernt und erfährt, wie diese mit ihrer Krankheit umgehen. Auch der Umgang mit den Arbeitskollegen dort ist sehr angenehm, da alle ungefähr gleich alt sind.

Was mir das Praktikum gebracht hat, ist, dass sich das Denken über behinderte und alte Menschen um 180° gewendet hat. Ich habe viel mehr Verständnis dafür, dass alte Menschen frustriert sind oder nörgeln, wenn sie auf einmal im Rollstuhl sitzen, weil sie sich vorher noch selbstständig bewegen konnten. Das Verständnis ist deshalb da, weil ich nun weiß, warum die Menschen sich in dieser Situation so verhalten: Sie verlieren teilweise die Lust am Leben und sehen sich nicht mehr als ganze Menschen.

In ihrer Lage würde ich genauso reagieren. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, über jemanden zu lachen, wenn dieser in der Öffentlichkeit anfängt zu schreien oder andere Dinge zu machen, die nicht normal sind, weil mir die zwei Wochen als Fahrdienstbegleiter in diesem Punkt die Augen geöffnet haben. Ich weiß jetzt und denke oft daran, dass diese Menschen einfach nicht anders können.

Was ich noch erfahren habe, ist, dass soziale Arbeit nicht immer – wie es laut Vorurteilen erläutert wird – Frauenarbeit ist. Es sind Tätigkeiten, die Menschen zusammenbringen können. Man beschäftigt sich mit Altersgruppen, von denen man vorher gedacht hat, dass diese nichts Gutes für einen wollen und ein ganz anderes Bild von der Welt haben.

Insgesamt muss ich auch sagen, dass ich diese zwei Wochen nicht als Arbeit gesehen habe. Ich hätte problemlos weiter 2 - 4 Wochen weiterarbeiten können, weil mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat, auch wenn ich früh aufgestanden bin. Das Gefühl, den Leuten helfen zu können, macht einen selber stolz.

Ein Praktikum, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Zivildienst (bei einem Fahrdienst) kann ich von meiner Seite nur weiterempfehlen, weil es viel wichtige Erfahrungen für den Rest des Lebens bringt.“

Zwei Praktika in der Offenen Sozialarbeit

1. „Durch die Besprechungen und durch die anschließende gemeinsame Beobachtung (in der Einrichtung Bahnhofsmission) lernte ich eine höhere Aufmerksamkeit gegenüber hilfsbedürftigen Menschen zu entwickeln. … Ich empfinde es nun so, dass ich weniger Skrupel habe, jemanden anzusprechen als vor dem Praktikum.

Abseits von meinen eigenen Erfahrungen lernte ich auch, dass viele Obdachlose und extrem hilfsbedürftige Menschen keine direkte Hilfe annehmen wollen, welche sie aus ihrem Zustand herausholen würde. Sie lehnen sie lieber ab, da … ihr „Leidensdruck“ noch nicht groß genug ist.

Es liegt meiner jetzigen Meinung nach in jedes eigenen Ermessen, ob die eigenen Lebensumstände verändert werden müssen oder nicht. Man sollte Menschen demnach sozusagen nicht zu ihrem eigenen Glück zwingen, da es dann vielleicht nicht mehr ihr eigenes wäre.“

2. „Dieses Praktikum (beim Bielefelder Tisch) war für mich eine wertvolle Erfahrung, die es mir gestattet hat, „über den Tellerrand“ hinaus zuschauen und auch die Leute zu sehen, die aus unterschiedlichen Gründen in unserer Gesellschaft nicht ohne Weiteres aufgenommen werden. ...

Ich machte viele Erfahrungen im Umgang mit diesen Menschen und und ihrer Lebenswelt durch Situationen, die ich in meinem Alltag nicht erfahren hätte, z. B. dass diese Menschen, die etwas „abenteuerlich“ vom Äußeren her aussehen, auch nett und sehr gesprächig sind. … So wurde ich durch die vielen Begegnungen mit den sozial bedürftigen Menschen für die Sorgen dieser Menschen sensibilisiert.“

Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung

„Zunächst hatte ich Berührungsängste und wusste nicht, wie ich reagieren sollte, als mich beispielsweise ein Beschäftigter am Arm packte und mich durch die ganze Abteilung hinter sich her zog. Ich versuchte, jeglichen Kontakt zu vermeiden, da ich mir unsicher war, wie sich die Beschäftigten dann verhalten würden. Aber auch die Bewegungen einiger Beschäftigter empfand ich als seltsam.

Erst durch die Zusammenarbeit mit ihnen verlor ich diese Ängste und erfuhr, wie man sich in bestimmten Situationen richtig verhält. Ich erfuhr ich zum Beispiel, wieso eine Beschäftigte ihre Arme ständig so seltsam bewegt. Das liegt daran, dass sie, so wie bei Babys, nicht gezielt ihre Muskeln anspannen kann.

Ein anderer machte ab und zu Geräusche und lachte, wenn man diese Geräusche nachmachte. Eine Mitarbeiterin erklärte mir, dass er mit jedem Geräusch, das er macht, eine für ihn wichtige Situation aus seiner Vergangenheit verbindet.

Mir wurde bewusst, wie lebensfroh viele der Beschäftigten trotz sind und wie viel Spaß man mit ihnen haben kann.

Auch erkannte ich, wie flexibel Betreuer sein müssen, um die verschiedenen Beschäftigten gut betreuen zu können.

Insgesamt finde ich das Sozialpraktikum sehr hilfreich, da man mit Menschen in Kontakt kommt, mit denen man sonst im Alltag nicht viel zu tun hat. Man lernt viel im Umgang mit ihnen und wird ihnen gegenüber toleranter.

Ein solches Sozialpraktikum ist jedem/r Schüler/in zu empfehlen, da er/sie so viele neue Erfahrungen machen kann, die ihm/ihr für die Zukunft hilfreich sein könnten.“

Praktikum im Krankenhaus

„Im Großen und Ganzen habe ich nur Positives über das Sozialpraktikum zu berichten. Im Laufe dieser zwei Wochen widerfuhr mir nichts, was ich aus meinem Gedächtnis streichen wollte, ganz im Gegenteil, ich möchte keinen Augenblick missen.

Ich habe durch das Sozialpraktikum viel dazu gelernt und neue Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt und später einsetzen kann, … (z. B.) wie schwer es ist, als Krankenschwester/-pflegerin zu arbeiten, ... mit fremden Menschen umzugehen, die auf Hilfe angewiesen sind, umzugehen, eine freundschaftliche Beziehung zu ihnen aufzubauen …, seine Gefühle, den Ekel und die Scheu einfach zu vergessen.

Einem Hilfe bedürftigen Menschen zu helfen, ist meiner Meinung nach eine der schönsten Tätigkeiten, die ein Mensch machen kann, denn danach bekommt man ein reines glückliches Gefühl, sodass man stolz auf sich sein kann. Müsste ich mich zwischen diesen Erfahrungen und 1 Million Euro entscheiden, dann würde meine Wahl auf die Erfahrungen fallen.

Ich musste mich in ein gut eingespieltes Team integrieren und … musste lernen, mit wildfremden Menschen, ihren Schmerzen, Sorgen, Ängsten, Nöten, ihrem Leid, Schicksal und ihrer Persönlichkeit umzugehen. Eine meiner wertvollsten Erfahrungen war, Patienten mit Kleinigkeiten den Tag zu verschönern, … Ein liebevolles ‚Danke, jetzt fühle ich mich besser!’, dann war so gut wie alles (die ganzen Anstrengungen) vergessen.“

 
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